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Interview mit unserer neuen Kursleiterin Annie Rüfenacht

Die Berner Komponistin, Klangkünstlerin und Musikvermittlerin Annie Rüfenacht zeigt uns im Kurs "Bern Sound Walks", wie wir Bern hörend kennenlernen können. Im Interview gibt sie uns Einblicke in ihre Arbeit.

Was ist Deep Listening?
Der Begriff Deep Listening wurde von der Musikerin und Komponistin Pauline Oliveros geprägt. Es ist eine Praxis, bei der bewusst der gesamten Klanglandschaft der Umgebung zugehört wird. Dabei zeigen sich oft Klänge, die im Alltag gar nicht auffallen. Es geht darum, Hörgewohnheiten aufzubrechen und die eigene Aufmerksamkeit ganz auf das Hier und Jetzt zu lenken.

Was hört man heute noch von der historischen Geräuschkulisse Berns?
Erstaunlich viel. Der Zytglogge schlägt seit Jahrhunderten die Stunden und die Münsterglocken läuten bis heute. Die Aare rauscht unter der Stadt und die Brunnen plätschern in den Gassen. In den Lauben klingen Schritte und Stimmen, und auch die Märkte gehören zum Klang der Stadt.

Wo gibt es in Bern Klang als «Kunst am Bau»?
Ein Beispiel ist die Suspended Sound Line, eine Klanginstallation, die Max Neuhaus 1999 auf dem gibb-Campus in der Lorraine eingerichtet hat. Das Werk ist direkt in die Brücke eingebaut und wer sie überquert, betritt einen feinen Klangteppich, der sich mit den Umgebungsgeräuschen mischt. Im Kurs werden wir sie besuchen.

Was findest du persönlich spannend daran, die Stadt hörend zu entdecken?
Bern klingt im Herbst anders als im Sommer, am Abend anders als am Morgen. Ich finde es spannend, die Stadt hörend zu entdecken, weil sie so viele Geschichten erzählt. Dabei lerne ich nicht nur etwas über den Ort, sondern auch darüber, wie ich einem Ort zuhöre und den Menschen, die mir hier begegnen. Besonders bereichernd finde ich es, diese Erfahrungen zu teilen und solche Räume gemeinsam zu erleben.

Mit welchen Eindrücken schliessen die Teilnehmenden deinen Kurs ab?
Hoffentlich mit ganz offenen Ohren. Im Kurs wollen wir die Stadt als grossen, vielschichtigen Klangraum erleben, in dem es überall verborgene Details zu entdecken gibt. Ich freue mich schon darauf, dass die Teilnehmenden nicht nur die Umgebung neu hören, sondern auch merken, wie sich ihre eigene Aufmerksamkeit dabei verändert.

Hier geht es zum Kurs.