Was reizt dich an deinem Job als künstlerische Leitung eines kleinen Theaters?
Wir, meine Kollegin Maria Spanring und ich, haben bei unserem Start am Schlachthaus Theater gesagt, uns interessiert ein Programm für Bern, von Bern und mit Bern. Genau das finde ich reizvoll, sowohl mit lokalen Künstler:innen zusammen zu arbeiten und ihre Arbeit zu begleiten, als auch internationale Highlights und Entdeckungen nach Bern zu bringen und unserem Publikum vorzustellen. Und im ProgrammPlus stellen wir, bspw. durch Inputs, Kurse oder Workshops, Verbindungen zu unterschiedlichsten Fachpersonen und Akteur:innen her, laden zu Diskussionen und zum Dialog ein.
Warum sollte man heute – wo Unterhaltung und Kultur via Streaming und Apps nonstop verfügbar ist – überhaupt noch ins Theater gehen?
Weil das Theater ein anderes Erlebnis möglich macht, als es eine Leinwand oder ein Bildschirm kann. Künstler:innen und Zuschauer:innen teilen den gleichen Raum, es ist der unmittelbare Moment, in dem etwas entsteht – eine Geschichte, ein Bild, eine Handlung –, der geteilt wird. Diese Erfahrung ist einen Theaterbesuch wert und hat das schöne Plus der Begegnungen.
Wie muss man sich die Programmplanung am Schlachthaus Theater vorstellen: Wie gehst du vor bei der Auswahl der Stücke?
Das Programm setzten wir, die beiden Künstlerischen Ko-Leiterinnen, zusammen. Ein Programm für eine Saison zusammen zu stellen, muss man sich vorstellen wie ein grosses Tetris-Spiel. Wir programmieren für alle Generationen, machen Schulvorstellungen und Vorstellungen am Nachmittag oder Abend. Als erstes setzten wir unsere Ko-Produktionen, d.h. Stücke, die wir ab der ersten Idee begleiten und die bei uns ihre Premiere feiern. In der Vorbereitung treffen wir viele Künstler:innen und sprechen über Ideen und Projektvorhaben, ausserdem reisen wir und visionieren Stücke an anderen Orten. Aus allen ca. 170 besuchten und besprochenen Projekten stellen wir dann einen Spielplan mit rund 25 Stücken zusammen, der – Tetris eben – eine gute Balance aus Alter der Zielgruppen, Entstehungsort, Perspektiven, Ensemblegrössen, Genres, Themen usw. hat.
Gibt es bestimmte Themen, die euer Publikum stark interessieren? Welche Stücke sind oft ausgebucht und warum?
Was wir immer wieder erleben, ist die grosse Solidarität mit und das Interesse an Stücken von Berner Künstler:innen. Dort haben wir treues Stammpublikum. Auch sehr beliebt sind Gastspiele, die aktuelle gesellschaftliche Themen behandeln, z.B. Fragen von Geld und Verteilung.
Was war – im Bereich Theater – deine «Entdeckung des Jahres 2025»?
Eins meiner Highlights für die Saison 2025/26 war das Kennenlernen des Stücks «R. Osa» von Silvia Gribaudi mit der unglaublichen Performerin Claudia Marsicano.
Welches Stück aus der Berner Theaterlandschaft sollte man sich deiner Meinung nach unbedingt anschauen und warum?
Neben etablierten Berner Gruppen wie z.B. dem Theater Club 111, gibt es spannende junge companies, die neue Wege erforschen. Wer Lust hat, sich überraschen zu lassen und Spass hat am Zusammenspiel von Mensch und Technik, sollte sich bei Gelegenheit die Arbeiten von Sarah Hugentobler anschauen.
Was möchtest du mit deinem Kurs bei den Teilnehmenden bewirken?
Bei den drei gemeinsamen Theaterbesuchen im Quartal darf man sich auf einen Querschnitt der aktuellen Theaterszene freuen, wobei wir lokale, nationale und internationale Stücke anschauen. Ich bin selber immer wieder begeistert davon, wie Künstler:innen sich Konflikten und Fragen annähern und wie sie ihre Auseinandersetzungen erlebbar machen. Neben dem Kennenlernen der einzelnen Stücke ist es diese Erfahrung beim Zuschauen, die mich inspiriert und die ich auch anderen vermitteln möchte.
Die neue Reihe «Highlights im Schlachthaus Theater Bern» startet am 16. Januar. Melden Sie sich hier an.
Die zweite Ausgabe folgt Ende April.
