Philosophie: Identität der Person
Kann und soll ein Neunzigjähriger für etwas haftbar gemacht werden, das er als Jugendlicher ver-brochen hat? Allgemein gefragt: Bleibt die Identität der Person ein Leben lang erhalten? Die Intuition zieht in zwei Richtungen und führt in ein Paradox: Man möchte auf den ersten Blick meinen, er sei stets derselbe geblieben, namentlich identifizierbar und es sei schliesslich keine neue Person entstanden. Bedenke man jedoch, welche enormen Veränderungen sein alternder Leib und sein Geist, seine Psyche, seine Erinnerungen, seine Überzeugungen und seine Persönlichkeit im Laufe der Jahrzehnte durchgemacht haben, kommen Zweifel auf. Der Greis wird sich vielleicht nicht mehr an seine Taten erinnern, und wenn doch, wird er sich womöglich davon distanzieren. Solche und ähnliche Fragen werden Gegenstand dieses fünfteiligen Kurses sein. Der Fokus wird dabei auf philosophiegeschichtlich bedeutsamen Gedankenexperimenten liegen. Nach einer gründlichen Erörterung der Plausibilität und Abwegigkeit der gängigsten Theorien werden die Teilnehmenden idealerweise zu einer für sie annehmbaren Schlussfolgerung gelangen.
Die Teilnehmenden
- lernen die wichtigsten philosophischen Theorien zur personalen Identität seit dem 17. Jahrhundert kennen
- unterziehen diese einer Kritik, erörtern die Vor- und Nachteile erörtern
- gelangen idealerweise zu einem persönlichen Fazit, worin die diachrone Identität der Person bestehen könnte
Besucher:innen, die sich für die Metaphysik der Person und philosophisches Argumentieren interessieren, sind willkommen. Der Dozent wird sich bemühen, nicht mit Fachtermini um sich zu werfen und dieses komplexe, anspruchsvolle Thema einem Laienpublikum zugänglich zu machen.
Keine
Michael Ammann
Michael Ammann hat in Bern Philosophie und Geschichte studiert sowie das Lehramt für diese Fächer erworben. Seine Dissertation verfasste er über das Thema Sportphilosophie. Seit 2023 ist er Gymnasiallehrer für Philosophie an der freien Maturitätsschule Winterthur. Er hat sich unter anderem auf analytische Sprachphilosophie, Philosophie des Geistes und Kunstphilosophie spezialisiert, aber auch metaphysische Themen wie Identität der Person, Willensfreiheit, Kausalität und Zeitphilosophie zählen zu seinen Interessegebieten.
Fr 19.02.2027 12.15–13.45 Uhr
Fr 26.02.2027 12.15–13.45 Uhr
Fr 05.03.2027 12.15–13.45 Uhr
Fr 12.03.2027 12.15–13.45 Uhr
Fr 19.03.2027 12.15–13.45 Uhr
KostenCHF 150.–
Kursnummer271-37005
Ort
Grabenpromenade 3
3011 Bern
Handouts mit Originaltextausschnitten der Gedankenexperimente werden vorgängig zur Verfügung gestellt.
TeilnehmendeMin. 8